Weihnachtsbotschaft 2018 seiner Eminenz. des Erzbischofs Johannes von Chariopolis, Exarch des ökumenischen Patriarchen

Au clergé, aux moines, aux moniales et aux fidèles de l’Exarchat-Archevêché des paroisses orthodoxes de tradition russe en Europe Occidentale

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Am 15./28. November haben wir die Weihnachtsfastenzeit begonnen; es ist eine Vorbereitungszeit auf die Feier der Geburt des Gottessohnes im Fleisch. Drei Beweggründe sollen unser Leben in dieser wichtigen Zeit des liturgischen Jahres leiten: unser geistliches Verlangen, dass sich unsere persönliche Beziehung zu Christus vertiefe; dass wir unseren Auftrag wahrnehmen, dem uns geschenkten Heil die ihm geschuldete Anerkennung und liebevolle Zuwendung zukommen zu lassen; und schließlich der Ruf der Kirche, die uns als um ihre Kinder besorgte Mutter dazu einlädt, uns darauf vorzubereiten, in unseren Herzen die Botschaft des Engels zu empfangen: « Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll. Heute ist euch in der Stadt Davids ein Retter geboren, Christus, der Herr; seht, das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Neugeborenes finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. » (Lk 2,10-11).

Die Fleischwerdung des Gottessohnes befreit den Menschen aus seiner vielschichtigen Gefangenschaft und führt ihn zum Heil. Die göttliche Liebe erhebt den Menschen zur Würde der Gotteskindschaft, die ihn zum Erben des Himmelreichs beruft. Wie groß muss die Dankbarkeit jedes Menschen sein, wenn er die Demut des Schöpferlogos betrachtet, der aus Liebe in einem Futtertrog liegt! « Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht und uns einen Platz bereitet in den himmlischen Wohnungen. » (Eph 2, 5f.).

Jedes große Herrenfest lässt vor Freude die gesamte Kirche tanzen, die den Herrn dann mit noch größerer Feierlichkeit ehrt und noch inständiger zu Ihm betet. Er hat ja den Menschen nach seinem Bild und Ihm ähnlich erschaffen. Christus nimmt Fleisch an um des Heiles aller Menschen willen, doch er erwartet von uns auch, dass wir bereit sind, ihn aufzunehmen und unsere Herzen öffnen, um die Frohe Botschaft zu empfangen. Wir müssen immer dieses Wort des Apostels Johannes vor unseren Augen und in unseren Herzen haben, der sagt: « Er kam in sein Eigentum, und die Seinen haben ihn nicht erkannt. » (Joh 1,11). Dieselbe Blindheit und dieselbe Gefühllosigkeit - macht sie sich nicht heute bemerkbar gerade bei denen, die sich auf Jesus Christus berufen?

Wenn wir uns von den Vätern und den geistlichen Menschen aller Zeiten inspirieren lassen, dann sehen wir, dass sie Wert legen auf das dreigestaltige Kommen Christi:
- das erste, als er sich im Fleisch offenbart hat,
- das zweite, wenn er geistlicherweise in uns geboren wird und in uns wohnt,
- das dritte, wenn er im Glanz seiner Herrlichkeit zum Gericht wiederkommen wird.

Oft pflichten wir dem ersten und dritten Offenbarwerden bei. Was das zweite Erscheinen angeht - und es ist gerade das wichtigste -, so vergessen wir es nur zu leicht, obwohl gerade dieses Kommen unser Leben als Christ von der Taufe bis zum Tod prägt.

Der Apostel Paulus, getrieben von großer Liebe, schreibt: « Nicht mehr ich leben, sondern Christus lebt in mir. » (Gal 2,20).

Wenn wir Christi Wohnung sind, dann werden wir stark im Angesicht aller Versuchungen, die uns von Christus trennen wollen, denn er wird zum Herrn über unsere Leidenschaften, Begierden und unser schlechtes Verlangen. Mit Ihm in uns erlangen wir die Liebe zu unserem Bruder, den Respekt vor unserem Nächsten und die Gabe der Unterscheidung in unseren Worten. Beten wir also inständig in dieser Zeit für uns und unsere Brüder um diesen Besuch und darum, dass der Erlöser in uns eine Bleibe finden möge, denn wenn wir Ihn nicht in unseren Herzen empfangen, wird er zu unserer Verurteilung wiederkommen. Wenn Er nicht geistlich in uns geboren wird, dann verlieren wir die Früchte des Weihnachtsfestes. Dann wird das dritte Kommen für uns nicht Krönung in der Herrlichkeit bedeuten, sondern Entfernung von der Freude des Festmahls der Liebe.

Diese Weihnachtszeit soll uns herausführen aus der alltäglichen Lauheit. Schauen wir auf den allmächtigen Gott, vor dem die Berge erzittern, vor dem die Sonne nicht aufhört zu strahlen, der von seinem Thron der Herrlichkeit herabsteigt, um sich in unsere Schwachheit zu kleiden, um sich vor uns so sehr zu demütigen, dass er sogar zum Abschaum seiner eigenen Schöpfung wird. In der Höhle ruht ebendieser, dessen einziges Ziel es ist, die Finsternis des Todes zu zerstreuen, die sich zwischen Ihm und uns verdichtet hat.

Bereiten wir die Wege für den Herrn, ebnen wir die Straßen unserer Seelen, füllen wir die Täler unserer Leidenschaften auf, machen wir die Hügel unseres Hochmuts eben, denn er kommt, die Sehnsucht aller Völker. Dann werden wir wirklich das Wort des Evangelisten Johannes leben: « Denen, die ihn aufnahmen, gab er die Kraft, Kinder Gottes zu werden. » (Joh 1,12).

Euch allen ein gutes und heiliges Fest der Geburt unseres Herrn.

+ Erzbischof Johannes.

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