Osterbotschaft S. Em. Erzbischof Gabriel von Komana Exarch des Ökumenischen Patriarchen

„Denn siehe, durch das Kreuz kam Freude in die ganze Welt (...) denn für uns hat er am Kreuz gelitten und durch seinen Tod den Tod überwunden.“

Liebe Brüder und Schwestern!

Christus ist auferstanden!

Mit diesem fröhlichen Ausruf verkünde ich euch voller Freude die Heilige Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Das ist die größte, die wichtigste Verkündigung, die wir ausrufen und in unseren Herzen empfangen können. Das ganze Geheimnis unserer Errettung erfüllt sich in diesem Ereignis.

Zu Ostern beweißt Christus seine ganze trinitäre Liebe für die Menschen und die ganze Schöpfung.

An diesem fröhlichen Fest fühlen wir in unseren Herzen die überwältigende Güte Gottes, die uns zeigt, wie sehr Er uns liebt, ganz egal in welcher Situation wir uns befinden: Wir sind alle Sünder, wir sind alle geschwächt durch die Verfehlung Adams und durch unsere eigene Schwäche und wir wissen, wie sehr uns das in unserem täglichen Leben hemmt. Aber heute freuen wir uns, denn wir wissen, dass der Herr alle unsere Verfehlungen auf sich genommen hat und uns, indem er freiwillig aufs Kreuz gestiegen ist, völlig von ihnen befreit hat. Durch seine Auferstehung ermöglicht er uns, in seinem Licht aufrecht zu bleiben. Durch dieses Ereignis, der Schlüssel zu unserem christlichen Leben, werden wir verwandelt: Wir waren tot, wir sind auferstanden! Das ist die Gnade der Gnaden: „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin, und die Gnade Gottes war nicht unwirksam.“ (1 Kor 15,10)

Wir wurden auf die Errettung vorbereitet durch „den Mund Deiner Diener, der Propheten“ (Liturgie des Heiligen Basilius). Ein Engel verkündet Maria, dass Sie die Mutter desjenigen sein wird, der in unsere Mitte kommt, um uns zu erretten und wir singen: „Heute beginnt unsere Errettung ...“ (Troparion der Verkündigung). Christus selbst wird uns sagen, dass er für die Menschen gekommen ist. Für unsere Errettung. Um uns zu zeigen, dass für Ihn alles möglich ist und wie sehr er uns liebt. Er erweckte Lazarus, seinen Freund, von den Toten auf; nicht ohne zuvor vor seinem Leichnam geweint zu haben: Jetzt verstehen wir, dass die Tränen des Herrn seine ganze Barmherzigkeit widerspiegeln, seine Menschenliebe, die Ihn dazu führen wird, sein Leben zu geben um uns zu retten!

Wieder ist es ein Engel, der den Heiligen Frauen verkündet, dass Jesus sich nicht mehr eingeschlossen im Grab befindet, sondern auferstanden ist! Den Jüngern von Emmaus legt Christus selbst aus wie die Propheten die Errettung angekündigt hatten. Wir kennen das alles, aber das hindert uns nicht daran, wenn wir über die Auferstehung des Sohnes Gottes nachdenken, freudig überrascht, ja sogar tief bewegt zu sein. Wir verbeugen uns vor dem einen Heiligen, dem einen Herrn: Jesus, zur Herrlichkeit Gottes des Vaters! (Liturgie des Hl. Johannes Chrysosotomus) Es ist wahrscheinlich sogar wichtig für uns, dass wir immer wieder vom Mysterium der Auferstehung überrascht sind: Tatsächlich gewöhnen wir uns an unsere Schwäche, an unsere Fehler und laufen deshalb Gefahr, uns auch an unsere Sünden zu gewöhnen und sie normal zu finden. Aber jedes Mal, wenn wir das Osterfest neu erleben, Christi Tod und seine Auferstehung, wenn wir uns erfreuen an diesem Mysterium, in dem er durch seinen freiwilligen Tod den Tod überwunden hat, dann wird unser ganzes Sein ergriffen von der Erkenntnis der unendlichen Liebe Christi. Diese Liebe rettet uns, sie belebt uns neu, sie gibt uns Vertrauen und Hoffnung. Vielleicht sind wir in unserer Sündhaftigkeit sehr weit gegangen, vielleicht denken wir sogar: Zu weit! Vielleicht befinden wir uns am Rande der Verzweiflung? Wisst Ihr, was Gott uns in diesem Moment sagt? Er sagt uns: „Na und? Wo ist das Problem? Ich habe dir gesagt: Du wirst geliebt, über jede Vorstellung hinaus, denke daran! Selbst wenn eine Mutter ihr Kind vergessen würde, ich werde dich niemals vergessen! (Jes 49,15) Ich beweise es dir: Mein Sohn ist freiwillig für dich gestorben, er hat für dich das Schlimmste erlebt, was ein Mensch erleben kann. Er hat dein Leiden geteilt, auf dass du die göttliche Liebe teilen mögest. Durch seine Auferstehung ermöglicht er dir, an der Liebe teilzunehmen, die die drei Personen der Dreieinheit vereinigt. Dann kostest du das Leben, das ewige Leben, dass dir angeboten wird: „Tritt ein in die Freude deines Herrn!“

So wird das Leben Christi durch Gottes Barmherzigkeit für immer mein Leben. Die riesige Freude, die sich daraus ergibt, wird zur Freude der ganzen Kirche. Diese Freude müssen wir unser ganzes Leben bewahren, wir müssen zu Zeugen der unendlichen Liebe Gottes werden, diese Liebe miteinander teilen, selbst mit unseren Feinden: Was für eine Herausforderung! Ohne Gottes Hilfe ist das unmöglich! Aber Gott ist mit uns, wer kann dann noch gegen uns sein? Selbst in unserer Hölle, in unserer Nacht ist er hier um uns zu sagen, dass er bis ans Ende der Welt mit uns sein wird. Haben wir keine Angst, unterziehen wir uns der einzigen Behandlung, die heilt: Wir wollen von der Liebe Gottes leben, wir wollen Gott lieben, uns gegenseitig lieben und aus einem Herzen singen: „Christus ist erstanden von den Toten, durch seinen Tod hat er den Tod überwunden!“

Mit meiner ganzen Liebe grüsse ich euch mit dem Heiligen Osterkuss: „Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Der Segen unseres auferstandenen Herrn sei mit euch allen, Amen.

Paris, Kathedrale des Hl. Alexander Nevsky
6. /19. April 2009

+ Erzbischof Gabriel von Komana
Exarch des Ökumenischen Patriarchen

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